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Art. 13

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Jeder Thronfolger wird noch vor Empfangnahme der Erbhuldigung unter Bezug auf die fürstlichen Ehren und Würden in einer schriftlichen Urkunde aussprechen, dass er das Fürstentum Liechtenstein in Gemässheit der Verfassung und der übrigen Gesetze regieren, seine Integrität erhalten und die landesfürstlichen Rechte unzertrennlich und in gleicher Weise beobachten wird.


Autor: Peter Bussjäger. Zuletzt bearbeitet: 10. September 2015
Liechtenstein-Institut (Hrsg.): Kommentar zur liechtensteinischen Verfassung. Online-Kom­mentar, Bendern 2016, www.verfassung.li

Entstehung und Materialien

VV 1848 §§ 41, 42

KonV § 123

Verfassungsentwurf Beck Art. 84

RV § 13

LGBl. 1921 Nr. 15

LGBl. 1929 Nr. 3

LGBl. 1938 Nr. 18

BuA Nr. 22/1984

LGBl. 1984 Nr. 28

LGBl. 1989 Nr. 61

Verfassungsvorschlag des Fürstenhauses vom 2. Februar 2000 (rote Broschüre), Art. 13

Verfassungsvorschlag des Fürstenhauses vom 1. März 2001 (grüne Broschüre), Art. 13

Initiative des Fürstenhauses 2. August 2002, Art. 13

LGBl. 2003 Nr. 186

Literatur

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Steger, Gregor, Fürst und Landtag nach liechtensteinischem Recht, Vaduz 1950

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Ulbrich, Joseph, Das österreichische Staatsrecht, 3. Aufl. Tübingen 1909

Waschkuhn, Arno, Politisches System Liechtensteins: Kontinuität und Wandel, LPS 18, Vaduz 1994

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Winkler, Günther, Begnadigung und Gegenzeichnung, Wien/New York 2005

Winkler, Günther, Die Verfassungsreform in Liechtenstein, Wien/New York 2003

I. Allgemeine Bemerkungen und Entstehungsgeschichte

A. Die historische Bedeutung der Erbhuldigung

Die Bestimmung des Art. 13 LV reicht in ihrer historischen Bedeutung weit in die Verfassungsgeschichte des Fürstentums Liechtenstein zurück. Der in ihr verwendete Begriff der „Huld“ (ab etwa dem 14. Jahrhundert „Huldigung“) kennzeichnet seit dem frühen Mittelalter den Treueeid zwischen Untertanen und Herrschaft bzw. zwischen Vasall und Herrn.[1] Die Huldigung begründete in rechtlich verbindlicher Weise Treuebeziehungen.[2] Der Huldigungseid verpflichtete die schwörenden Untertanen zur Treue und Gehorsam gegenüber der Herrschaft, die gegebenenfalls auch auf bestimmte Dienste und Leistungen Anspruch hatte. Mit der Huldigung der Untergebenen war allerdings auch das Versprechen und die Garantieerklärung des Herrn verbunden, die Freiheiten und Rechte der Untertanen sowie deren Gebräuche und Gewohnheiten zu achten und zu schützen. Huldigung war somit kein einseitiger Akt, sondern von Reziprozität geprägt und hatte damit Vertragscharakter.[3] Die klassische Untertanenhuldigung fand allgemein im 18. und 19. Jahrhundert mit der Herausbildung des souveränen Verfassungsstaates, der von der Person des jeweiligen Herrschers losgelöst war, ihr Ende.[4] Im Kontext der liechtensteinischen Verfassungsgeschichte ist Folgendes festzuhalten: 1718[5] versprach anlässlich der Erbhuldigung der Untertanen der Grafschaft Vaduz und der Herrschaft Schellenberg für Fürst Anton Florian von Liechtenstein der Gesandte, die Untertanen in seinen Schutz und Schirm aufzunehmen und bestätigte ihnen die althergebrachten Rechte und Freiheiten. Im Gegenzug schworen die Untertanen, dem Fürsten „getreu, gehorsam, gewartig, bottmässig, steür-, frohn- und dienstbahr zu seyn.“[6] Der stark ritualisierte und formalisierte Huldigungsakt 1718 weist einige beachtenswerte Eigenschaften auf, wie etwa die Abwesenheit des Landesherrn, was nach Holenstein auch eine Abkehr von der personalen Herrschaftskonstruktion indiziert und die zunehmende Identifikation der Gehorsamspflicht der Untertanen gegenüber dem Staat.[7] Die Interaktion des Versprechens des fürstlichen Gesandten betreffend Schutz und Schirm der Untertanen und deren Gehorsamsgelöbnis deutet einen gewissen Vertragscharakter an.[8] Damit wird auch die gedankliche Konstruktion des Herrschaftsvertrages der Aufklärung in gewisser Hinsicht vorweggenommen, mit dem die Machtfülle des vormals absolutistischen Herrschers eingeschränkt wurde. Mit dem Schwurakt wurde die Verfassung des schwörenden Herrschaftsverbandes aktualisiert, erneuert und in ihrer Gültigkeit fortgeschrieben.[9] Im Verfassungsstaat ist der Huldigungsakt durch das Volk bzw. seine Repräsentanten gegenüber dem neuen Staatsoberhaupt ein im Grunde überholter Anklang an das einstige Untertanenverhältnis.[10] Die liechtensteinische Verfassung hat diesen Akt im Zusammenhang mit der Erklärung des Thronfolgers, verfassungsgemäss und rechtskonform zu handeln, dennoch beibehalten, was in der nachfolgenden Darstellung der historischen Entwicklung veranschaulicht wird.[11]

B. Die Rechtsentwicklung

Die landständische Verfassung 1818 erwähnte weder einen Huldigungsakt noch eine damit korrelierende Zusicherung des Landesfürsten auf die Einhaltung der Verfassung, was nicht bedeutete, dass in der Praxis derartige Vorgänge nicht stattfanden. Sie bewegten sich jedoch auf einer Ebene ausserhalb des positivierten Rechts.[12] Hingegen sah der Entwurf des Verfassungsrates 1848 in zwei getrennten Bestimmungen einerseits eine Verpflichtung des Fürsten vor, auf die Einhaltung der Verfassung zu schwören (§ 41), worauf nach der so erfolgten Angelobung als Regenten eine Huldigung durch das Volk erfolgen sollte (§ 42). Der Entwurf des Verfassungsrates versuchte damit das korrespondierende Verhältnis von Fürst und Volk, das frühere Verhältnis von Herrscher und Untertanen, in ein einem Verfassungsstaat angemessenes Regelungswerk zu flechten. § 123 KonV vermischte die beiden Elemente des Verhältnisses von Fürst und Volk (Einhaltung der Verfassung durch den Fürsten und Anerkennung der Legitimität der Herrschaft durch das Volk bzw. seine Repräsentanten) in einer einzigen Bestimmung, die wie folgt lautete:

Jeder Regierungsnachfolger wird noch vor Empfangnahme der Erbhuldigung unter Bezug auf fürstliche Ehren und Würden in einer schriftlichen Urkunde aussprechen, dass er das Fürstenthum Liechtenstein in Gemässheit der Verfassung und der Gesetze regieren, die Integrität desselben erhalten und die landesfürstlichen Rechte unzertrennlich und in gleicher Weise beobachten werde.[13]

Die Verfassung legte nunmehr gleichsam in Umkehrung des früheren Verhältnisses das rechtliche Schwergewicht auf die Zusicherung des Landesfürsten, die Verfassung und die übrigen Gesetze einzuhalten und die Integrität des Landes zu bewahren. Die Erbhuldigung wurde dem Begriff nach erwähnt, ohne Inhalt und Vorgang näher festzulegen. Dies war eine Konsequenz daraus, dass in der konstitutionellen Monarchie der Staat an die Stelle des Landesfürsten trat und dieser lediglich ein, wenngleich das höchste Organ dieses Staates war. Die Erbhuldigung war und blieb demnach ein formalisierter, aber rechtlich unverbindlicher Akt: Viel grössere Relevanz kam der Bestätigung des Monarchen zu, die Verfassung und die übrigen Gesetze einzuhalten, denn sie war ja nach dem Wortlaut der Verfassung Voraussetzung für die Erbhuldigung. Die Bestimmung des § 123 KonV wurde im Zuge der Erarbeitung der neuen Verfassung 1921 einerseits als wenig umstritten, andererseits offenbar als notwendig betrachtet: Art. 84 des Verfassungsentwurfs Wilhelm Becks übernahm § 123 KonV mit geringfügigen Abweichungen:

Jeder Thronfolger wird noch vor Entgegennahme der Erbhuldigung unter Bezug auf fürstliche Ehren und Würden in einer schriftlichen Urkunde aussprechen, dass er das Fürstenthum Liechtenstein in Gemässheit der Verfassung und den Gesetzen regieren und seine Integrität erhalten werde.

Auffallend ist, dass Beck an Stelle des Begriffs des „Regierungsnachfolgers“ den zutreffenderen des „Thronfolgers“ wählte und die umständliche Formulierung des Jahres 1862 nicht nur in eleganter Weise straffte, sondern auch von der Konnotation, dass sich der Schwur des Landesfürsten auf seine eigenen landesfürstlichen Rechte bezog, befreite. Die Regierungsvorlage Peer folgte in § 13 Abs. 1 freilich dem Vorbild der konstitutionellen Monarchie und übernahm § 123 KonV wörtlich. Weiter wurde in § 13 Abs. 2 eine Bestimmung über die Stellvertretung eingefügt. Diese Bestimmung war im weiteren Verlauf der Verfassungsdiskussion offenbar unbestritten und wurde ohne weitere inhaltliche Änderung zu Art. 13 der Verfassung 1921. 1984 wurde Art. 13 Abs. 2 aufgehoben und eine gesonderte Regelung über die Stellvertretung in Art. 13bis LV aufgenommen.[14] Im Zuge der Verfassungsrevision 2003 wurde der Begriff „Regierungsnachfolger“ durch „Thronfolger“ ersetzt, wie dies bereits von Wilhelm Beck 1920 vorgeschlagen worden war.

II. Die Thronfolge

A. Fallkonstellationen

Der in Art. 13 LV bezeichnete Vorgang setzt voraus, dass die Thronfolge eingetreten ist, was bedeutet, dass die Funktion des Staatsoberhauptes vakant ist und durch den Thronfolger zu besetzen ist. Unter welchen Umständen der Tatbestand der Thronfolge erfüllt ist, wird von der Verfassung nicht näher geregelt, sondern von Art. 3 LV an das Hausgesetz delegiert („Die im Fürstenhause Liechtenstein erbliche Thronfolge (…) werden durch das Fürstenhaus in der Form eines Hausgesetzes geordnet.“).[15] Das Hausgesetz[16] sieht folgende Fallkonstellationen der Thronfolge vor:
  • Tod des Landesfürsten (im Hausgesetz nicht explizit erwähnt, aber implizite Grundlage von Art. 12 Hausgesetz).
  • Absetzung oder Amtsenthebung[18] gemäss Art. 16 Hausgesetz durch die Mitglieder des Fürstenhauses auf Grund eines Misstrauensantrages des Volkes.

B. Verfahrensfragen bei Absetzung und Amtsenthebung

Die Tatbestände des Thronverzichts, der Absetzung oder Amtsenthebung des Landesfürsten erfordern ein verfahrensmässiges Vorgehen, um den Vorgang rechtswirksam machen:

Gemäss Art. 13 Abs. 1 Hausgesetz ist der Thronverzicht ausdrücklich und schriftlich gegenüber dem Erbprinzen oder Thronfolger, dem Familienrat und dem Regierungschef zu erklären.[19] Der Thronverzicht ist unwiderruflich. Er ist im Landesgesetzblatt zu veröffentlichen. Die verlangte „Ausdrücklichkeit“ erfordert, dass im Verzichtsschreiben explizit und unmissverständlich erklärt wird, auf den Thron zu verzichten. Allenfalls getroffene mündliche Äusserungen (vgl. Art. 13 Abs. 2 Hausgesetz: „ausdrücklich und schriftlich“) sind rechtlich unerheblich. Die Bestimmung bringt weiters zum Ausdruck, dass dem genannten Personenkreis der schriftliche Thronverzicht zugestellt oder persönlich übergeben werden muss. Solange dies nicht der Fall ist, ist der Thronverzicht nicht rechtswirksam erklärt.

In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass gemäss Art. 13 Abs. 2 Hausgesetz auch jeder Prinz nach dem Eintritt seiner Volljährigkeit durch ausdrückliche und schriftliche Erklärung gegenüber dem Fürsten und dem Familienrat auf die Thronfolge verzichten kann. Der Verzicht ist unwiderruflich und gilt nur für die Person des Verzichtenden. Er hat keine Auswirkungen auf die Thronfolge der übrigen Mitglieder des Fürstenhauses.[20] Kritisch ist zu sehen, dass Aussenstehende, also insbesondere die Regierung oder der Landtag, nach den Bestimmungen des Hausgesetzes nicht über einen derartigen Verzicht informiert werden müssen, mitunter also sogar eine problematische Unklarheit über die Thronfolgeordnung bestehen kann. Die Kundmachung im Landesgesetzblatt hat lediglich deklarative Bedeutung, was bedeutet, dass der Thronverzicht nicht erst mit der Kundmachung im Landesgesetzblatt wirksam wird. Eine andere Auffassung hätte zur Konsequenz, dass die Regierung, die gemäss Art. 2 Kundmachungsgesetz das Landesgesetzblatt herausgibt, den Zeitpunkt des Thronverzichts durch verzögerte oder beschleunigte Kundmachung im Landesgesetzblatt bestimmen könnte. Dies wäre bei einem staatsrechtlich so bedeutsamen Akt wohl nicht tolerierbar und würde ausserdem den Landesfürsten der Disposition über den Zeitpunkt des Wirksamwerdens seines Thronverzichts berauben. Hinsichtlich der Absetzung des Landesfürsten als Disziplinarmassnahme des Familienrates gemäss Art. 14 Abs. 2 lit. c Hausgesetz ordnet Art. 14 Abs. 2 lit. d an, dass das Disziplinarerkenntnis im Falle der Rechtskraft allen Mitgliedern des Fürstenhauses und dem Regierungschef zuzustellen ist. Mit dieser Information ist die Absetzung rechtswirksam. Die gemäss Art. 14 Abs. 2 lit. e Hausgesetz vorgesehene Veröffentlichung im Landesgesetzblatt hat ebenfalls lediglich deklarative Bedeutung, da sonst die Regierung den konkreten Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Absetzung des Landesfürsten bestimmen würde. Dieselben verfahrensmässigen Grundsätze gelten für die Amtsenthebung gemäss Art. 15 Abs. 2 Hausgesetz. Schliesslich bestimmt Art. 16 Abs. 2 Hausgesetz, dass im Falle einer Absetzung oder Amtsenthebung auf Grund eines Misstrauensantrages gemäss Art. 13ter LV von der getroffenen Entscheidung oder sonstigen Erledigung samt der erforderlichen Begründung „das nach der Verfassung berufene Organ des liechtensteinischen Volkes ungesäumt in Kenntnis zu setzen“ ist. Das nach der Verfassung berufene Organ im Sinne des Art. 16 Abs. 2 Hausgesetz ist gemäss Art. 13ter letzter Satz LV der Landtag, dem der Landesfürst die gemäss dem Hausgesetz getroffene Entscheidung bekannt geben muss. Daraus ergibt sich, dass die Absetzung oder Amtsenthebung auf Grund eines Misstrauensantrags erst mit der Bekanntgabe der Entscheidung der stimmberechtigten Mitglieder des Fürstenhauses an den Landtag durch den Landesfürsten rechtswirksam wird. Würde die Absetzung oder Amtsenthebung nämlich bereits mit der Entscheidung wirksam, wäre der Landesfürst im Zeitpunkt ihrer Bekanntgabe gegenüber dem Landtag nicht mehr in dieser Funktion.

C. Anspruch auf Thronfolge

Für die Thronfolge gilt gemäss Art. 12 Abs. 1 Hausgesetz der Grundsatz der männlichen Primogenitur.[21] Somit ist stets der Erstgeborene der ältesten Linie zur Thronfolge berufen. Das Alter einer Linie wird nach ihrer Abstammung vom Fürsten Johann I. von Liechtenstein (1760 bis 1836) beurteilt. Die sich daraus ergebende Rangordnung ist in den Matriken festzuhalten.[22] Die Matrikenführung über die Mitglieder des Fürstlichen Hauses obliegt dem Sekretariat des Fürsten unter dessen Verantwortung (Art. 4 Abs. 1 Hausgesetz). Die Matriken sind lediglich familienöffentlich (Art. 4 Abs. 5 Hausgesetz). Eine öffentliche Bekanntmachung ist nicht vorgesehen. Vielmehr sind Auskünfte an Aussenstehende nach Bescheinigung eines rechtlichen Interesses nur mit Genehmigung des Fürsten zulässig. Die Thronfolge kann nur antreten, wer gemäss dem Hausgesetz stimm- und wahlberechtigt ist (vgl. Art. 9 Hausgesetz).[23] Damit setzt die Thronfolge Volljährigkeit und Handlungsfähigkeit voraus (Art. 9 Abs. 1 Hausgesetz), ebenso wie das Nichtvorliegen der Ausschlussgründe gemäss Art. 9 Abs. 3 Hausgesetz.[24] Der Umstand, dass die Thronfolgeordnung, was die konkreten Personen betrifft, entsprechend dem Hausgesetz nicht öffentlich ist, ist staatsrechtlich problematisch.[25] Der Begriff des rechtlichen Interesses, dessen Vorliegen die Erteilung einer Auskunft überhaupt erst ermöglicht (Art. 4 Abs. 5 Hausgesetz), bedeutet, dass ein bloss faktisches Interesse, etwa wenn eine Person die Reihenfolge der möglichen Staatsoberhäupter Liechtensteins wissen will, wohl nicht ausreicht. Ein derartiges rechtliches Interesse ist hingegen der Regierung zuzubilligen, schliesslich muss sie wissen, welche Personen unter welchen Voraussetzungen Thronfolger werden könnten. Ist der gemäss den Matriken zur Thronfolge Berufene noch minderjährig, kann der Familienrat gemäss Art. 6 Abs. 2 Hausgesetz diesen als volljährig erklären. Zu seinen Lebzeiten kann der Landesfürst selbst seinen Thronfolger für volljährig erklären. Erfolgt dies nicht, so kommt es nach allerdings nicht völlig klaren Bestimmungen des Art. 17 Abs. 2 Hausgesetz zu einer Regentschaft durch das nach der Thronfolgeordnung nächstberufene stimmberechtigte Mitglied des Fürstlichen Hauses.[26] Der gemäss Art. 12 Abs. 1 Hausgesetz zur Thronfolge Berechtigte besitzt einen subjektiv-öffentlichen Anspruch, der freilich nicht in einem förmlichen Verfahren durchgesetzt werden kann.[27] Nicht völlig klar scheint dabei, zu welchem Zeitpunkt die Thronfolge und damit verbunden die Übernahme der Funktion als Staatsoberhaupt eintritt. Dies wird unter III.A. näher behandelt.

III. Zum normativen Inhalt des Art. 13 LV

A. Der Ausspruch gemäss Art. 13 LV

1. Formale Erfordernisse und inhaltliche Bedeutung

Die in Art. 13 LV geforderte Erklärung des Thronfolgers steht in Zusammenhang mit Art. 51 Abs. 1 LV, wonach im Thronfolgefall der Landtag innerhalb 30 Tagen zu einer ausserordentlichen Sitzung zwecks Entgegennahme der im Art. 13 vorgesehenen Erklärung des Landesfürsten und der Leistung der Erbhuldigung einzuberufen ist. Bemerkenswert ist, dass die Verfassung einerseits vom Thronfolger verlangt, den Ausspruch gemäss Art. 13 LV in einer schriftlichen Urkunde noch vor Empfangnahme der Erbhuldigung zu leisten, andererseits wie dargelegt Art. 51 Abs. 1 LV eine Entgegennahme der Erklärung gemäss Art. 13 LV durch den Landtag vorsieht. Der Thronfolger kann, wie es der Praxis entspricht (siehe näher D.), die Erklärung bereits unmittelbar nach dem Eintritt des Thronfolgefalles abgeben, er hat sie jedoch spätestens anlässlich der Sitzung des Landtages gemäss Art. 51 Abs. 1 LV zu leisten. Der in der Verfassung selbst nur am Rande, nämlich in Art. 85 LV und Art. 87 LV erwähnte Regent ist nämlich kein Thronfolger, sondern lediglich eine Person, die übergangsweise, bis der Thronfolger sein Amt antreten kann, die Funktionen des Staatsoberhauptes ausübt.[28] Da der Regent nicht „Thronfolger“ ist, hat er nach der hier vertretenen Auffassung allerdings keine Erklärung nach Art. 13 LV abzugeben, weshalb auch keine Erbhuldigung stattzufinden hat.[29] Daran, dass der Regent wie der Fürst an die Verfassung gebunden ist, ändert sich dadurch freilich nichts. In welcher Form der Ausspruch erfolgt, wird durch Art. 13 LV dahingehend näher bestimmt, dass die Erklärung in einer „schriftlichen Urkunde“ zu erfolgen hat.[30] Diese Erklärung, in der Literatur auch als Legalitätserklärung bezeichnet,[31] wird in der Praxis auch im Landesgesetzblatt kundgemacht. Wenn die Bestimmung des Art. 13 LV, wie noch zu zeigen sein wird, Rechtswirkungen entfalten soll, ergibt sich in der Tat, dass der Ausspruch des Landesfürsten eine gewisse Aussenwirksamkeit nach sich ziehen muss. Sie wird durch die amtliche Publikation der Erklärung im Landesgesetzblatt tatsächlich am besten erzielt.[32] Die Kundmachung im Landesgesetzblatt ist jedoch verfassungsrechtlich nicht zwingend geboten: Die geforderte Publizität der Erklärung ist nämlich spätestens mit ihrer Entgegennahme durch den Landtag gemäss Art. 51 Abs. 1 LV erfüllt. Die bewusst an Art. 7 Abs. 1 LV anknüpfende Wortfolge „…das Fürstentum Liechtenstein in Gemässheit der Verfassung und der übrigen Gesetze regieren“ meint die Bindung des Landesfürsten an die gesamte Rechtsordnung, also nicht nur an die Verfassung und die Gesetze, sondern auch an die auf der Grundlage von Verfassung und Gesetzgebung erlassenen Verordnungen.[33] Sie verpflichtet den Landesfürsten, sich bei der Ausübung seiner Befugnisse und Aufgaben am Geist der Verfassung zu orientieren. Der Begriff „regieren“ weist keine eigenständige Bedeutung auf und verleiht dem Landesfürsten keine Rechte, die nicht bereits sonst in der Verfassung verankert sind.[34] Der Landesfürst ist auf der Grundlage der Verfassung 1921 das Staatsoberhaupt und kein Mitglied der Regierung. Die Erhaltung der Integrität Liechtensteins bezieht sich darauf, dass der Landesfürst von sich aus nichts unternehmen wird, das die Einheit des Landes in territorialer aber auch politischer Hinsicht gefährdet. Die Bestimmung ist heute besonders vor dem Hintergrund des Art. 4 LV zu sehen, der eine Sezessionsmöglichkeit von Gemeinden vorsieht. Unter Erhaltung der Integrität ist aber wohl auch zu verstehen, dass der Landesfürst politischen und gesellschaftlichen Spaltungstendenzen nach Möglichkeit entgegen wirkt. Der Landesfürst hat daher ausgleichend zu wirken und auf die Erzielung von Konsens hinzuarbeiten. Eine „unzertrennliche und in gleicher Weise“ erfolgte Beobachtung der landesfürstlichen Rechte setzt voraus, dass sich der Landesfürst gerade auch der Schranken, die die Rechtsordnung seinen Rechten setzt, bewusst ist. Die Verfassung betont mit der Verwendung der Wortfolge „in gleicher Weise“ das Erfordernis der Kontinuität und Vorhersehbarkeit des Handelns des Landesfürsten. Der Begriff „beobachten“ ist, wie auch an anderer Stelle der Verfassung,[35] im Sinne von „beachten“ zu verstehen.[36] Der Begriff „landesfürstliche Rechte“ meint den gesamten Aufgabenkomplex, den die Verfassung dem Staatsoberhaupt überträgt, also beispielsweise das Sanktionsrecht (Art. 9 LV), die Erlassung von Notverordnungen (Art. 10 LV), die Richterernennung (Art. 11 LV) und die Ausübung des Gnadenrechts (Art. 12 LV).

2. Rechtswirkungen

Nach Auffassung Batliners tritt die Thronfolge mit dem Tode des vorangegangenen Fürsten oder mit dessen Thronverzicht ein.[37] Demnach erfolge „nach dem bisher praktizierten, durch die absolutistische Verengung geführten, durchaus plausiblen Verfassungsverständnis mit dem Tode eines Fürsten nicht nur der Thronwechsel, sondern auch der Amtsantritt des Thronfolgers mit all seinen Wirkungen“.[38] Daran ändere auch die Regelung des Art. 13 LV nichts, dass der Thronfolger den Ausspruch leistet, wonach er in Gemässheit der Verfassung und der übrigen Gesetze regieren, die Integrität Liechtensteins erhalten und die landesfürstlichen Rechte unzertrennlich und in gleicher Weise beobachten wird.[39] Nach dieser Meinung handelt es sich bei Art. 13 LV im Ergebnis um eine Verfassungsvorschrift ohne weitere Rechtswirkungen.[40] Der automatische Übergang des Thrones im Falle des Wirksamwerdens des Thronfolgefalles an den Thronfolger ist nicht nur ein Kennzeichen des Absolutismus, sondern auch ein Merkmal der konstitutionellen Monarchie.[41] Eine allfällige Unterlassung des geforderten Gelöbnisses beim Antritt des neuen Kaisers wurde etwa in Österreich noch im gängigen Werk Ulbrichs 1909 zwar als verfassungswidrig, jedoch als rechtlich folgenlos qualifiziert.[42] Diese Auffassung dürfte auch in den deutschen konstitutionellen Monarchien des 19. Jahrhunderts vertreten worden sein.[43] Unterschiedlich wird dagegen in Republiken beurteilt, welche Rechtswirkungen das von den Verfassungen verlangte Gelöbnis des Bundespräsidenten zukommt: So wird dem Eid des Bundespräsidenten in Art. 56 GG Deutschland keine konstitutive Wirkung beigemessen. Der neugewählte Bundespräsident befindet sich bereits in der Funktion des Staatsoberhauptes.[44] In Österreich wird hingegen die Angelobung des Bundespräsidenten als Voraussetzung für den Amtsantritt qualifiziert.[45] Der Auffassung Batliners steht nun freilich gegenüber, dass gemäss Art. 17 Abs. 2 Hausgesetz in dem Fall, dass der Fürst rechtskräftig gemäss Art. 14 abgesetzt oder gemäss Art. 15 seines Amtes enthoben oder entmündigt wurde, seine Rechte und Pflichten „bis zum Eintritt der Thronfolge“ von einem Regenten ausgeübt werden.[46] Dies kann nicht anders interpretiert werden, als dass das Hausgesetz zumindest in diesen Fällen davon ausgeht, dass zumindest der Eintritt der Rechtswirkungen der Thronfolge aufgeschoben wird. Auch die Wortwahl in Art. 12 Abs. 3, wonach die Thronfolge nur „antreten“ kann, wer gemäss dem Hausgesetz stimm- und wahlberechtigt ist, spricht gegen eine von selbst eintretende Thronfolge in allen ihren Rechtswirkungen. Bedeutet dies, dass im Fall des Todes des Fürsten die Thronfolge eben nicht automatisch eintritt, sondern erst mit der Erklärung gemäss Art. 13 LV? Art. 13 LV spricht seit der Verfassungsrevision 2003 vom „Thronfolger“ (und zwar in einem zeitlichen Zusammenhang, der noch vor Empfangnahme der Erbhuldigung und der Abgabe der geforderten Erklärung) und nicht etwa von der „zur Thronfolge berechtigten Person“, aber auch nicht vom Landesfürsten. Die Abkehr von dem bis zu diesem Zeitpunkt verwendeten Begriff des „Regierungsnachfolgers“ begründeten die Materialien mit dem generellen Bestreben der Verfassungsrevision, den Begriff „Regierung“ nur im Zusammenhang mit der Regierung im eigentlichen Sinne zu verwenden und nicht für die Person des Fürsten.[47] Damit ist eine terminologische Präzisierung erfolgt, die jedoch keine weiteren rechtlichen Konsequenzen nach sich gezogen hat. Es stellt sich somit die Frage, ob die Bestimmungen des Hausgesetzes aus dem Jahre 1993 über die Absetzung und Amtsenthebung lediglich mangelhaft mit der bis 1862 zurückreichenden Formulierung des Art. 13 LV abgestimmt sind, oder ob „das bisher praktizierte (…)Verfassungsverständnis“ (Batliner)[48] dem modernen Verfassungsstaat, den die Verfassung von 1921 eingeleitet hatte, angemessen ist. Die Tatsache, dass Art. 13 LV vom „Thronfolger“ (ursprünglich Regierungsnachfolger) und eben nicht vom Landesfürsten spricht,[49] deutet darauf hin, dass der Thronfolger mit Eintritt des Thronfolgefalles nicht automatisch alle Funktionen des Landesfürsten ausübt.[50] Zur Staatspraxis ist zu erwähnen, dass Hans-Adam erklärte, „als Fürst Hans-Adam II.“ die Regierung zu übernehmen.[51] Auch diese Formulierung weist darauf hin, dass der Thronfolger erst mit seiner Erklärung gemäss Art. 13 LV sein Amt als Landesfürst verfassungskonform ausübt. Gleichlautende Formulierungen enthielten das Höchste Handschreiben vom 26. Juli 1938 betreffend die Übernahme der Regierung durch Seine Durchlaucht Fürst Franz Josef II.[52] sowie das Höchste Handschreiben vom 12. Februar 1929 betreffend die Übernahme der Regierung durch Seine Durchlaucht Fürst Franz I.[53] Weitere Vergleichsfälle gibt es nicht, da der Regierungsantritt Fürst Johann II. im Jahre 1858 noch vor der Erlassung der Konstitutionellen Verfassung erfolgte, die mit § 123 KonV die Vorgängerbestimmung zu Art. 13 LV enthielt. Zu den von der Staatspraxis durchaus gestützten Regelungen des Hausgesetzes tritt hinzu, dass es mit dem Verfassungsstaat kaum vereinbar erscheint, dass eine Bestimmung der Verfassung völlig ohne Rechtswirkungen bleiben soll. Art. 13 LV erzeugt daher nach der hier vertretenen Meinung insoweit konstitutive Wirkung, als erst mit der Leistung der geforderten Erklärung der Thronfolger die ihm als Staatsoberhaupt zukommenden Rechte und Pflichten verfassungsmässig ausüben kann.[54] Schliesslich wäre es auch denkbar, dass der Erbprinz noch vor dem Antritt der Thronfolge auf den Thron verzichten will. Das Unterlassen des Ausspruchs nach Art. 13 LV zur Gänze wie auch der Verzicht auf einzelne Teile des von Art. 13 LV vorgeschriebenen Inhalts würde demnach dazu führen, dass die vom Thronfolger in seiner Funktion als Staatsoberhaupt in weiterer Folge getätigten Akte nicht auf verfassungsmässige Weise zustande gekommen wären. In Konsequenz dessen hätte auch die Erbhuldigung zu unterbleiben. Setzt der Landesfürst im Rahmen seiner Amtstätigkeit Handlungen, die als Nichtbeachtung der mit der Erklärung gemäss Art. 13 LV geleisteten Zusicherung zu qualifizieren wären, so bleibt dies grundsätzlich rechtlich folgenlos. Der Landesfürst untersteht gemäss Art. 7 Abs. 2 erster Satz LV nicht der Gerichtsbarkeit und ist rechtlich nicht verantwortlich. Denkbar wäre allerdings ein Misstrauensantrag gemäss Art. 13ter LV mit der Konsequenz, dass im Falle einer Annahme des Misstrauensantrags durch das Volk das Verfahren gemäss Art. 16 Hausgesetz durchzuführen wäre.

B. Gegenzeichnungspflicht des Ausspruchs gemäss Art. 13 LV

Was die Frage betrifft, ob die Erklärung gemäss Art. 13 LV der Gegenzeichnung unterliegt, ist zunächst wie im Falle der Richterernennung und der Ausübung des Gnadenrechts[55] an Art. 85 zweiter Satz LV anzuknüpfen, wonach der Regierungschef die Gegenzeichnung der vom Fürsten oder einer Regentschaft ausgehenden Erlässe und Verordnungen besorgt. Nach der hier vertretenen Auffassung ist auch die Erklärung gemäss Art. 13 LV als derartiger „Erlass“ zu verstehen, zumal der historische, bereits in der Konstitutionellen Verfassung verwendete Begriff der „Erlässe“, zweifellos umfassend zu interpretieren ist.[56] Hingegen kommt Art. 86 Abs. 2 LV als Anknüpfung für eine Gegenzeichnungspflicht nicht in Betracht, da diese Bestimmung sich auf die über Antrag des Regierungschefs ergehenden landesherrlichen Resolutionen bezieht. Die Erklärung gemäss Art. 13 LV ergeht jedoch nicht über Antrag des Regierungschefs. Winkler vertritt jedoch die Meinung, dass die Erklärung keine Gegenzeichnung des Regierungschefs erfordert,[57] offenbar deshalb, weil er sie nicht als ein „Erlass“ im Sinne des Art 85 zweiter Satz LV qualifiziert. Dies ist jedoch eine verengende Interpretation, der auch ein Grössenschluss entgegen zu halten ist: Weshalb sollte ausgerechnet der wohl wichtigste Staatsakt des Landesfürsten, nämlich sein eigener Amtsantritt, von der Gegenzeichnung befreit sein? Mit der Gegenzeichnung beurkundet der Regierungschef die Legalität des Vorgangs, nämlich, dass es sich um eine auf Grund der Verfassung und des von ihr delegierten Hausgesetzes vorgesehene Thronfolge und nicht um eine Usurpation einer Funktion handelt. In der Staatspraxis ist beim Regierungsantritt Franz Josef II. eine Gegenzeichnung erfolgt.[58] Auch das Fürstliche Handschreiben vom 13. November 1989 hinsichtlich der Thronfolge durch Landesfürst Hans-Adam II. trägt die Gegenzeichnung des Regierungschefs.[59] Im Übrigen bedarf aus denselben Erwägungen nicht nur der Amtsantritt des Landesfürsten der Gegenzeichnung, sondern auch der contrarius actus, der Amtsverzicht.[60]

C. Die Bedeutung der Erbhuldigung in politischer und staatsrechtlicher Hinsicht

Der altertümliche Ausdruck Erbhuldigung bedeutet den korrespondierenden Akt zum Ausspruch des Landesfürsten gemäss Art. 13 LV i.V.m. Art. 51 LV. Wie dargestellt, beinhaltete er in rechtshistorischer Hinsicht die Erklärung des Volkes, dem Herrscher gehorsam zu sein. Im modernen staatsrechtlichen Kontext stellt sich der Vorgang als eine Erklärung staatlicher Organe, im Thronfolger das neue Staatsoberhaupt zu sehen, dar. Die Erbhuldigung erfolgt im Rahmen einer Erklärung des Landtages.[61] Der Landtagspräsident erklärt dabei im Namen des Landtages, dass die Volksvertretung ihre Aufgaben auf Grund des auf die Verfassung geleisteten Eides und zum Wohle des Fürstenhauses wahrnehmen werde.[62] Die Anwesenheit des Landesfürsten wird als nicht erforderlich betrachtet.[63] Eine verfassungsrechtliche Relevanz weist die Erbhuldigung nicht auf.[64] Der Landesfürst, der den Ausspruch gemäss Art. 13 LV geleistet hat, wird dadurch zum Staatsoberhaupt. Das Unterlassen einer Erbhuldigung wäre ohne rechtliche Konsequenzen. In politischer Hinsicht wird durch den Akt der Erbhuldigung nach aussen sichtbar verdeutlicht, dass der Landesfürst legitimes Staatsoberhaupt Liechtensteins ist. Sie ist somit auch von identitätsstiftender Bedeutung.

D. Bemerkungen zur Staatspraxis

Der Ausspruch gemäss Art. 13 LV wird in der Staatspraxis durch eine schriftliche Erklärung geleistet, in welcher der Landesfürst die erforderliche Erklärung gibt, das Fürstentum Liechtenstein in Gemässheit seiner Verfassung und der übrigen Gesetze zu regieren, seine Integrität zu erhalten und die landesfürstlichen Rechte unzertrennlich und in gleicher Weise zu beobachten.[65] Die Erbhuldigung erfolgte seit 1921 jeweils unmittelbar nach dem Amtsantritt von Franz I.,[66] Franz Josef II.[67], und Hans-Adam II.[68] Es handelt sich dabei um keine Eidesleistung oder eine einer solchen vergleichbaren Handlung, sondern um einen symbolischen Akt der Anerkennung der legitimen Thronfolge.[69] Zwischen der Übernahme der Thronfolge mit der Abgabe der Erklärung gemäss Art. 13 LV und der Erbhuldigung liegen in der Staatspraxis, wie dies ja in Art. 51 LV zum Ausdruck gelangt, unterschiedlich lange Zeiträume.[70] Eine in der Verfassung nicht vorgesehene Huldigung erfolgte am 29. Mai 1939 auf der Schlosswiese in Vaduz, als vom liechtensteinischen Volk selbst ein so bezeichneter „Fürstenschwur“ geleistet wurde. Dieser Anlass ist vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund zu erklären, als es angesichts der Bedrohung durch das nationalsozialistische Deutschland und einer mit dem Reich sympathisierenden Bewegung in Liechtenstein galt, Geschlossenheit gegenüber aussen zu zeigen und die Souveränität Liechtensteins zu demonstrieren.[71] Auch im Falle Hans-Adams II. wurde eine in der Verfassung nicht vorgesehene, dadurch auch nicht weiter rechtserhebliche „Huldigungsfeier des Volkes“ abgehalten.[72]

Fussnoten

  1. Holenstein, Huldigung, S. 9; Batliner, Verfassungsschichten, S. 289.
  2. Holenstein, Huldigung, S. 12; Batliner, Verfassungsschichten, S. 289.
  3. Holenstein, Huldigung, S. 507.
  4. Holenstein, Huldigung, S. 486 ff.
  5. Vergleichbare Huldigungsakte hatten allerdings bereits 1699 anlässlich des Erwerbs der Herrschaft Schellenberg in Bendern (siehe Schädler, Huldigungs-Akte, S. 11 ff.) und 1712 (vgl. Schädler, Huldigungs-Akte, S. 15 ff.) anlässlich des Erwerbs der Grafschaft Vaduz in Vaduz stattgefunden (siehe Holenstein, Verfassung, S. 288). Die Huldigung 1718 war indessen von besonderer Feierlichkeit geprägt (Schädler, Huldigungs-Akte, S. 27). Allerdings ist die Huldigung auf heutigem liechtensteinischen Territorium, also der Grafschaft Vaduz und der Herrschaft Schellenberg , bereits ab dem späten 15. Jahrhundert belegt (1492 Bestätigung Brandisische Freiheiten): Zuziehende Leute sollen den Frh. von Brandis "hulden vnd sweren vnd als annder vnndersæssen gehorsam vnd gewertig sein" (LI LA, U 44, 16.10.1492; www.lub.li). Und in der Herrschaftspraxis 1499: Die Einwohner der Grafschaft. Vaduz wurden, nachdem sie im Februar den siegreichen Eidgenossen hatten schwören müssen, im Dezember wieder aus diesen Eiden entlassen mit der Verpflichtung, Ludwig von Brandis zu hulden und zu schweren, wie vor dem Krieg (LI LA U 18, 13.12.1499, LUB II; vgl. Frommelt, Obrigkeit und Untertanen, S. 209).
  6. Holenstein, Verfassung, S. 287; Burmeister, Huldigung, S. 380 f.; Schädler, Huldigungs-Akte, S. 18 ff.
  7. Holenstein, Verfassung, S. 290. Zu beachten sind freilich auch die Schwierigkeiten der persönlichen Anreise des Landesherrn im Vergleich zur Grösse und Bedeutung der erworbenen Territorien.
  8. Holenstein, Verfassung, S. 290 f.
  9. Holenstein, Verfassung, S. 296.
  10. Vgl. Batliner, Verfassungsschichten, S. 290.
  11. Einen vergleichbaren Akt gibt es in den Niederlanden: Gemäss Art. 32 der Verfassung des Königreiches der Niederlande leistet nach seiner Amtsübernahme der König so bald als möglich seinen Eid, worauf eine so bezeichnete Huldigung in einer Sitzung des Parlaments erfolgt. In Luxemburg hat der Grossherzog in Gegenwart der Abgeordnetenkammer auf die Verfassung zu schwören (Art. 5 der Luxemburgischen Verfassung). In Spanien erfolgt der Schwur des Königs und des erbberechtigten Thronfolgers vor den Cortes, die Verfassung, die Gesetze, die Rechte der Bürger und der autonomen Gemeinschaften zu achten (Art. 61 der Spanischen Verfassung). Vgl. dazu auch Winkler, Verfassungsreform, S. 309.
  12. Nach dem Tod von Fürst Johann I. am 20. April 1836 machte Fürst Alois II. den Antritt seiner Regierung bekannt. Alle Beamten wurden in den bisherigen Dienstverhältnissen belassen, der Diensteid wurde ihnen erlassen. Alois II. verzichtete auf den Untertaneneid der liechtensteinischen Bevölkerung, „indem Wir die Unserem verklärten Herrn Vater gewidmete Unterthanstreue und Pflicht als auf Uns vererbt betrachten.“ (zitiert nach Quaderer, Geschichte, S. 105 f.). Die Gemeindevorsteher Liechtensteins huldigten dem neuen Landesfürsten mit Schreiben vom 26. Mai 1836 (LI LA Schä U 244; vgl. auch Quaderer, Geschichte, S. 106).
  13. Die Bestimmung entsprach zwar nicht wörtlich, aber in ihrem wesentlichen Inhalt § 196 der Verfassung des Fürstentums Hohenzollern-Sigmaringen vom 11. Juli 1833, welche die Rezeptionsgrundlage der Konstitutionellen Verfassung bildete (siehe auch Geiger, Geschichte, S. 239 f.). In Abweichung von der Vorlage bestimmte § 123 KonV allerdings, dass der Regierungsnachfolger nicht nur die Einhaltung der Verfassung, sondern auch der übrigen Gesetze bestätigen musste. Wert legte § 123 KonV auch auf die Erhaltung der Integrität des Landes, welche in § 196 der Verfassung von Hohenzollern-Sigmaringen nicht zur Sprache kam. Zu erwähnen ist allerdings, dass sich die Verfassung von Hohenzollern-Sigmaringen an der frühkonstitutionellen Verfassung Württembergs 1819 orientierte (vgl. Geiger, Volksvertretung, S. 41). Tatsächlich bestimmte § 10 der Württembergischen Verfassung 1819, dass der Huldigungs-Eid dem Thronfolger erst dann abgelegt werde, „wenn Er in einer den Ständen des Königreichs auszustellen feierlichen Urkunde die unverbrüchliche Festhaltung der Landes-Verfassung bei Seinem Königlichen Worte zugesichert hat.“ Auch in diesem frühen Verfassungstext wurde also Wert darauf gelegt, dass der Monarch als erstes die Einhaltung der Verfassung schriftlich zu versprechen hatte, worauf als zweiter Akt die Huldigung zu folgen hatte.
  14. LGBl. 1984 Nr. 28.
  15. Siehe dazu auch Bussjäger, Kommentar zu Art. 3 LV.
  16. Siehe zur Rechtsnatur des Hausgesetzes und der damit verbundenen Fragen ebenfalls Bussjäger, Kommentar zu Art. 3 LV.
  17. Darunter wäre in sinngemässer Anwendung der betreffenden Bestimmungen zu verstehen, dass sich der Landesfürst durch Ablegung eines Gelübdes oder Übernahme bestimmter Verpflichtungen selbst die Ausübung gewisser Rechte begeben oder seine Handlungsfreiheit einschränken würde (Art. 9 Abs. 3 lit. a Hausgesetz) oder wenn er unter dem Einfluss eines Regimes stehen würde, das imstande ist, die Entschlussfreiheit des einzelnen aufzuheben oder zu beeinträchtigen (Art. 9 Abs. 3 lit. b Hausgesetz). Diese Tatbestände sind einigermassen vage, unklar (z.B. hinsichtlich des Begriffs „Regime“) und könnten daher Missbrauchsmöglichkeiten eröffnen.
  18. Ob die Entscheidung auf Absetzung oder Amtsenthebung zu lauten hätte, ist nicht klar, da Art. 16 Abs. 1 Hausgesetz hinsichtlich des Verfahrens ein Vorgehen sowohl nach Art. 14 (Absetzung) oder nach Art. 15 (Amtsenthebung) ermöglicht.
  19. In der Geschichte des Fürstentums Liechtenstein hat ein derartiger Thronverzicht bisher noch nie stattgefunden. Sehr wohl hingegen verzichtete Prinz Alois auf die Thronfolge (derzeit in Art. 13 Abs. 2 Hausgesetz geregelt) nach Fürst Johann II., sodass 1929 sein Sohn Franz I. die Thronfolge antreten konnte. Siehe auch Wille, Staatsordnung, S. 297 f.
  20. Eine derartige Verzichtserklärung hat Prinz Alois am 26. Februar 1923 abgegeben. Die Erklärung trägt die Unterschrift des Prinzen sowie die Unterschriften von zwei Zeugen, einer davon war der Kabinettsdirektor des Fürsten (vgl. Winkler, Begnadigung, S. 61).
  21. Siehe dazu auch die Bussjäger, Kommentar zu Art. 3 LV Kapitel IV.A. Siehe auch Kleinwaechter, Rechtsentwicklung, S. 366; Wille, Staatsordnung, S. 297.
  22. Der Begriff der „Matriken“ wird im Hausgesetz nicht näher definiert. Im Personenstandsrecht wurden unter Matriken die Register über den Personenstand verstanden (vgl. § 49 der Einführungs- und Übergangsbestimmungen des PGR). Sie werden im staatlichen Recht als Zivilstandsregister bezeichnet.
  23. In diesem Zusammenhang kommt erneut die Unbestimmtheit des Ausschlusses vom Stimmrecht gemäss den Tatbeständen des Art. 9 Abs. 3 lit. a und b Hausgesetz ins Spiel.
  24. Vom Stimmrecht sind ausgeschlossen: a) Familienmitglieder, die sich durch Ablegung eines Gelübdes oder Übernahme bestimmter Verpflichtungen selbst der Ausübung gewisser Rechte begeben oder ihre Handlungsfreiheit eingeschränkt haben; b) Familienmitglieder, die unter dem Einfluss eines Regimes stehen, das imstande ist, die Entschlussfreiheit des einzelnen aufzuheben oder zu beeinträchtigen; und c) Familienmitglieder, die gemäss Art. 8 Abs. 3 Bst. b, c und d (dabei handelt es sich um Disziplinarmassnahmen) das Stimmrecht verloren haben.
  25. Siehe dazu auch Bussjäger, Kommentar zu Art. 3 LV Kapitel IV.B. Vgl. auch Kleinwaechter, Rechtsentwicklung, S. 367 f.: „Die Thronfolgeordnung, die Frage der Volljährigkeit und der Vormundschaft sind nicht allein Familienangelegenheiten des regierenden Hauses, sondern auch Angelegenheiten von eminentester staatlicher Bedeutung. Es kann keinem Staate gleichgültig sein, wer zur Thronfolge berufen ist.“
  26. Der Umstand, dass im Thronfolgefall bei Minderjährigkeit des Thronfolgers in direkter Linie zwangsläufig ein Regent aus einer anderen Linie berufen würde, unterstreicht ebenfalls die Problematik der mangelnden Transparenz der Matriken.
  27. Steger, Fürst und Landtag, S. 51.
  28. Im Falle der Absetzung, Amtsenthebung oder Entmündigung des Landesfürsten ist zufolge Art. 17 Abs. 2 erster Satz Hausgesetz der Regent allerdings gleichzeitig Thronfolger, der allerdings nur solange Regent ist, bis die Thronfolge eintritt. Nach dem hier vertretenen Verständnis wäre dies der Zeitpunkt der Erklärung gemäss Art. 13 LV.
  29. Eine andere Meinung vertritt jedoch Schmid, Stellvertretung, S. 56 f., weil der Regent an Stelle des nicht zur Amtsausübung fähigen Monarchen oder Thronfolgers die Regierungsnachfolge (heute Thronfolge) ausübe. Eine Huldigung sei jedoch fraglich.
  30. Siehe auch Batliner, Übernahme, S. 115, der die Erklärung mit einer Eidesleistung bei Amtsantritt vergleicht. Siehe auch Weber, Gegenzeichnungsrecht, S. 151; Steger, Fürst und Landtag, S. 63.
  31. Steger, Fürst und Landtag, S. 63. Banzer u.a., Fürst und Volk, S. 136, sprechen von „Legalitätsversicherung“.
  32. In diesem Sinne wurde das Höchste Handschreiben vom 13. November 1989 betreffend die Übernahme der Regierung durch Seine Durchlaucht Fürst Hans-Adam II. im Landesgesetzblatt publiziert (LGBl. 1989 Nr. 61). Siehe auch das Höchste Handschreiben vom 26. Juli 1938 betreffend die Übernahme der Regierung durch Seine Durchlaucht Fürst Franz Josef II. (LGBl. 1938 Nr. 18) sowie das Höchste Handschreiben vom 12. Februar 1929 betreffend die Übernahme der Regierung durch Seine Durchlaucht Fürst Franz I. (LGBl. 1929 Nr. 3).
  33. Siehe auch Bussjäger, Kommentar zu Art. 7 LV.
  34. Vgl. Batliner, Verfassungsschichten, S 290.
  35. Vgl. Art. 11 LV, 28 Abs. 1 und 3 LV, Art. 60 LV, Art. 92 Abs. 4 LV, Art. 108 LV.
  36. Siehe Bussjäger, Kommentar zu Art. 11 LV.
  37. Vgl. Batliner, Verfassungsschichten, S. 290; ebenso Batliner, Übernahme, S. 113. Zu ergänzen wäre, dass die Thronfolge nach dieser Auffassung auch mit der Absetzung oder Amtsenthebung des Landesfürsten eintreten würde.
  38. Batliner, Verfassungsschichten, S. 290.
  39. Batliner, Übernahme, S. 113 f.
  40. Batliner, Verfassungsschichten, S. 290; ebenso Batliner, Übernahme, S. 115, wonach die schriftliche Erklärung des Thronfolgers auf die Verfassung den Rechten und Pflichten aus der Verfassung nichts hinzufüge.
  41. Jellinek, Alllgemeine Staatslehre, S. 545, qualifiziert den Monarchen als „unmittelbares Organ“, da die Rechtsordnung juristische Tatsachen direkt an die Abstammung von einer bestimmten Person, die Stellung in der Sukzessionsordnung und den Wegfall des letzten Throninhabers, anknüpft. Siehe weiters Held, Succession, S. 53 f.: „Aus der staatlichen Natur der Thronfolge, einer Succession um des Staats willen, erklärt sich auch das Princip des ispo jure Anfalls der Succession an den gesetzlichen Thronfolger im Moment der Thronerledigung – nämlich wegen des staatlichen Bedürfnisses der ununterbrochenen Continuität der Staatsoberhauptschaft. Die Besitzergreifung hat nur dann eine besondere Bedeutung, wenn dieselbe in der Absicht eine Verfassungsgarantie zu begründen, durch die Gesetze von der Erfüllung gewisser Bedingungen, namentlich von der Ableistung des Eides auf die Verfassung, abhängig gemacht ist.“
  42. Hinsichtlich Österreichs während der Monarchie siehe Ulbrich, Staatsrecht, S. 83.
  43. Held, Huldigung, S. 390: „Alle die angegebenen Eide, resp. Huldigungen gelten nur als religiöse Bestärkungen ohnehin bestehender verfassungsmässiger Verpflichtungen und Rechte, an welchen Nichtleistung jener Eide nichts von Rechts wegen zu ändern vermag.“
  44. Nettesheim, Amt, S. 1060 f., Rz. 53. Auch im System der Weimarer Reichsverfassung wurde der Verzicht auf das Gelöbnis als Verfassungsverletzung, jedoch nicht als ein dem Amtsantritt entgegen stehendes rechtliches Hindernis betrachtet (Pohl, Reichspräsident, S. 475).
  45. Frank, Art. 62 B-VG, Rz. 3; Adamovich/Funk/Holzinger/Frank, Österreichisches Staatsrecht, Bd. 2, S. 155, Rz. 28.004.
  46. Die Verfassung ermächtigt das Hausgesetz in Art. 3 LV die „Thronfolge“ zu regeln.
  47. Siehe rote und grüne Broschüre, jeweils zu Art. 13 LV; vgl. auch Stotter, Verfassung, S. 92.
  48. Batliner Verfassungsschichten, S. 290. Dieses bestand eben darin, dass mit dem Tod des Fürsten der Thronfolger zum Fürsten wurde.
  49. Die Materialien (vgl. rote und grüne Broschüre jeweils zu Art. 13 LV) sprechen allerdings im Zusammenhang mit dem „Thronfolger“ von der „Person des Fürsten“ und nicht etwa des künftigen Fürsten.
  50. Batliner, Verfassungsschichten, S. 290, deutet auch ein alternatives Modell an, wonach zwar die Thronübernahme eo ipso erfolgt, die Erklärung gemäss Art. 13 LV einen rechtlich notwendigen Schritt zur Amtsausübung darstellt. Dies wäre gleichsam eine Zwischenvariante zu der hier vertretenen und der von Batliner ursprünglich vertretenen Auffassung.
  51. Höchstes Handschreiben vom 13. November 1989 betreffend die Übernahme der Regierung durch Seine Durchlaucht Fürst Hans-Adam II., LGBl. 1989 Nr. 61 LR 110.011.
  52. LGBl. 1938 Nr. 18.
  53. LGBl. 1929 Nr. 3.
  54. Diese Auffassung vertritt wohl auch Schmid, Stellvertretung, S. 57, wenn er für den rechtswirksamen Antritt eines Regenten die Abgabe der Erklärung gemäss Art. 13 LV fordert. Entsprechend einem Grössenschluss muss dies dann für den Thronfolger erst recht gelten.
  55. Siehe dazu Bussjäger, Kommentar zu Art. 11 LV und Kommentar zu 12 LV.
  56. In diesem Sinne auch Batliner, Einführung, S. 87 f.; Weber, Gegenzeichnungsrecht, S. 230 f.; Pappermann, Regierung, S. 96; Loebenstein, Stellvertretung, S. 104.
  57. Winkler, Begnadigung, S. 55.
  58. Winkler, Begnadigung, S. 62; Weber, Gegenzeichnungsrecht, S. 231; Pappermann, Regierung, S. 96; Geiger, Krisenzeit, Bd. 2, S. 225, Fn. 560 (S. 507).
  59. Weber, Gegenzeichnungsrecht, S. 231. Weber verweist jedoch darauf, dass dieses Handschreiben in verschiedenen Abbildungen ohne Gegenzeichnung dargestellt sei. Siehe auch die Kritik bei Batliner, Einführung, S. 90.
  60. Loebenstein, Stellvertretung, S. 111, bezeichnet diese Konstellation als Zweifelsfall, entscheidet sich aber letztlich unter Hinweis auf die Verbindlichkeit und die Rechtsfolgen des Aktes für die Gegenzeichnungspflichtigkeit.
  61. Siehe auch Batliner, Übernahme, S. 115.
  62. Vgl. Banzer u.a., Fürst und Volk, S. 121.
  63. Bei der Erbhuldigung am 13. März 1929 war Franz I. nicht anwesend (vgl. Geiger, Krisenzeit, Bd. 1, S. 117).
  64. Batliner, Verfassungsschichten, S. 290; Waschkuhn, Politisches System, S. 91.
  65. Siehe Höchstes Handschreiben vom 13. November 1989 betreffend die Übernahme der Regierung durch Seine Durchlaucht Fürst Hans-Adam II., LGBl. 1989 Nr. 61 LR 110.011. Gleichlautende Formulierungen enthielten das Höchste Handschreiben vom 26. Juli 1938 betreffend die Übernahme der Regierung durch Seine Durchlaucht Fürst Franz Josef II. (LGBl. 1938 Nr. 18) sowie das Höchste Handschreiben vom 12. Februar 1929 betreffend die Übernahme der Regierung durch Seine Durchlaucht Fürst Franz I. (LGBl. 1929 Nr. 3). Johann II. hatte mit Manifest vom 12. November 1858, dem Todestag seines Vaters Alois II. die Regierung angetreten, die Beamten und Angestellten des Landes bestätigt und ihnen wie den Untertanen den Eid erlassen, „indem Wir die unserem verklärten Vater gewidmete Unterthanstreue und Pflicht auf uns vererbt betrachten“ (zitiert nach Geiger, Geschichte, S. 234). Sein Vater Alois II. hatte anlässlich seines Regierungsantritts 1836 dieselbe Formel verwendet (Geiger, Geschichte, S. 234). Hinsichtlich Franz Josef II. gibt es offenbar ein Handschreiben vom 26. Juli 1938, gegengezeichnet von Regierungschef Hoop, und ein Original vom 25. Juli 1938 (vgl. Geiger, Krisenzeit, Bd. 2, S. 225, Fn. 560 (S. 507).
  66. Am 12. August 1929.
  67. Am 27. Juli 1938.
  68. Am 5. Dezember 1989.
  69. Batliner, Übernahme, S. 117; Burmeister, Huldigung, S. 381.
  70. Bei Franz I. betrug der Zeitraum zwischen dem Tod von Johann II. und der Erbhuldigung vier Wochen (vgl. Geiger, Krisenzeit, S. 117), im Falle Franz Josefs II. zwei Tage nach dem Tod des Fürsten Franz I. (vgl. Batliner, Übernahme, S. 116), im Falle Hans-Adams II. hingegen wiederum über drei Wochen.
  71. Batliner, Übernahme, S. 116.
  72. Siehe auch Batliner, Verfassungsschichten, S. 291.
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